Die Geschichte des Vereins und seiner Aktivitäten

Im Juni 1988 gründeten fünf engagierte Eltern den Montessori-Verein Lkr. Erding e.V. mit dem Ziel in Erding den ersten Integrationskindergarten, den Kinder mit und  ohne Behinderungen besuchen können, zu betreiben. Die Idee, dass behinderte Kinder und nicht behinderte Kinder gemeinsam nach den Prinzipien der Montessori Pädagogik betreut und gefördert werden sollen, wurde zunächst sehr skeptisch betrachtet.

Entgegen aller Widerstände ließen sich die Eltern nicht beirren. Im April 1991 eröffnete das Montessori Kinderhaus in einer angemieteten Erdgeschosswohnung mit Gartenanteil, in der Cantlerstraße in Erding seine erste Integrationskindergartengruppe mit 15 Kindern. Die Nachfrage war so groß, dass schon zwei Jahre später ein ganzes Haus angemietet werden musste. In der ehemaligen Stadtvilla in der Dr.-Henkel-Straße wurden zwei Kindergartengruppen für 30 Kinder eingerichtet.

Im Jahr 1993 waren die ersten Kindergartenkinder schulreif und es entstand der Wunsch eine Montessori Schule zu gründen. Mittlerweile war die Mitgliederzahl des Vereins auf ca. 50 angestiegen. Innerhalb von einem Jahr hatten sie es geschafft eine Schulbetriebsgenehmigung vom „Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus“ zu erwirken. In Aufkirchen bei Erding bauten die Eltern das Bürohaus einer ehemaligen Sauerkrautfabrik in ein Schulhaus um. Im September 1994 begann dort der Schulbetrieb. Bösartige Zungen sagten den damaligen Montessori Schülern nach, man hätte sie an ihrem Sauerkrautgeruch erkennen können. 1998 wurde die Erweiterung um den Betrieb einer Hauptschule mit M-Zug beantragt und genehmigt. Nachdem das Bürohaus in Aufkirchen zu klein war, wurde nach geeigneten Räumen für die Hauptschule gesucht. Für ein Jahr war die erste 5. Klasse als Gastklasse in der Hauptschule der Gemeinde Oberding untergebracht. Dann im Frühling 1999 fanden die Eltern ein geeignetes Haus in Schwaig. Mit viel Engagement wurde auch dieses Haus in ehrenamtlicher Eigenleistung von Eltern umgebaut. Hier ging es nicht nur darum Klassenzimmer einzurichten, sondern es mussten auch Fachräume wie z.B. ein Werkraum, ein Raum für Naturwissenschaften und eine Schulküche eingerichtet werden. Die Eltern haben immer versucht alle Einrichtungen so kostengünstig wie möglich  bereitzustellen, so wurde unsere erste Schulküche aus drei gespendeten, gebrauchten Küchen zusammengebaut und verschönert.

Ab 2001 reifte in den Köpfen des damaligen Vorstands die Idee ein eigenes Schulhaus zu bauen, in welchem Grund- und Hauptschule gemeinsam untergebracht werden konnten. Trotz der vielen Arbeit rund um Schule und Kinderhaus gründete der Montessori  Verein im Mai 2002 einen zweiten Integrationskindergarten, in welchem 30 Kindergartenkinder mit und ohne Behinderungen ihren Platz fanden. Das Montessori Children‘s-House weist eine weitere Besonderheit auf, denn in ihm wird durchgehend deutsch und englisch gesprochen. Auch die Etablierung dieses Kindergartens war nicht einfach. Zunächst stießen die Gründer auf Unverständnis von Seiten der Politik, trotz anhaltenden befürwortenden Diskussionen in pädagogischen Fachkreisen wurde bezweifelt, dass es einen derartigen Kindergarten in Erding bräuchte. Aber die Eltern ließen sich nicht entmutigen, schafften es, den ehemaligen Landrat Herr Franz Xaver Bauer für ihr Vorhaben zu gewinnen. Dieser gab ihnen ein Grundstück in der Fichtenstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Berufs- und Kreismusikschule. Ein Grundstück alleine macht noch keinen Kindergarten, Geld war wie immer Mangelware im Verein und so wurde ein Container-Kindergartengebäude angemietet. Dieses war zunächst zwar nicht schön anzusehen, aber die  Begeisterung der Pädagoginnen und Eltern über ihren Kindergarten war so groß, dass aus dem Grundstück und dem Gebäude eine kleine kuschelige Oase für Kinder geschaffen wurde.

Die Pläne ein eigenes Schulhaus zu bauen, nahmen zunehmend Gestalt an. Die Vorstände informierten sich bei anderen Schulträgern und stellten die Finanzierung auf die Beine. In enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Oberding, deren 1. Bürgermeister Herr Helmut Lackner unterstützend dazu beitrug ein geeignetes Grundstück zu finden, schritt die Realisierung des Baus voran. Der Vorstand kümmerte sich um die öffentliche Ausschreibung und führte viele lange Verhandlungen mit der „Regierung von Oberbayern“, die letztendlich die Genehmigung zum Bau des Schulhauses erteilte. Am 10. Oktober 2002 erfolgte der erste Spatenstich und im November die Grundsteinlegung. Für die Vorstände und einige andere Vereinsmitglieder folgte eine anstrengende Zeit der Bauphase. Neben Architektenbesprechungen, Baustellenterminen und Kostencontrolling mussten die meisten weiterhin ihren Berufen nachgehen, denn sie erhielten keinerlei Aufwandsentschädigung.

In den Sommerferien 2004 wurde von den Eltern der Umzug aus den zwei Häusern mit Privatautos, Lkw‘s und Traktoren mit Anhängern organisiert. So konnte im September der Betrieb im eigenen Schulhaus aufgenommen werden. Die Verantwortlichen waren mächtig stolz, denn sie hatten ein zertifiziertes Niedrigenergiehaus mit einer sehr ansprechenden Architektur errichtet, das zunehmend Anerkennung in Fachkreisen in ganz Europa fi ndet und im Jahr 2007 sogar den „Bayerischen Staatsförderpreis für Umwelt“ erhielt.

Der Bau des Schulhauses brachte den Montessori Verein in massive finanzielle Schwierigkeiten. Der Freistaat Bayern hatte die Übernahme von 80% der Baukosten zugesichert, teilte jedoch mit, dass wegen Haushaltssanierungsmaßnahmen vorerst nicht mit der Auszahlung der Gelder zu rechnen sei. Rund 8 Mio. € wurden investiert und die Auszahlung der Zuschüsse in Höhe von 5,8 Mio. € wurde auf ungewisse Zeit verschoben. Nun war der Vorstand gezwungen, umfassend tätig zu werden. Es folgten Gespräche mit  Politikern und Petitionen an den Bayerischen Landtag. Nach langwierigen Verhandlungen wurde mit dem „Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus“ und der finanzierenden Bank eine Lösung gefunden, die eine drohende Insolvenz abwendete. Während dieser Zeit waren rund 250 Schulplätze, 62  Kindergartenplätze und 60 Arbeitsplätze massiv gefährdet. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Ministerialdirektors Josef Erhardt, des Bürgermeisters der Gemeinde Oberding, Herrn Helmut Lackner, und des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt Erding, Karl-Heinz Bauernfeind, der ein gutes Wort bei der „Zollner-Leihfond-Stiftung“ für uns eingelegt hatte, kam der Verein wieder in ein „ruhigeres Fahrwasser“.

 

Heute und die Zukunft

Wer den Verein kennt, weiß, dass nicht zu erwarten war, dass sich der Vorstand nun beruhigt zurücklehnt und seine Erfolge feiert. An unserer Schule können die Jugendlichen neben dem  Hauptschulabschluss die „Mittlere Reife“ erlangen. Das Bestreben ist es einen durchgängigen Weg von der  ersten Jahrgangsstufe bis hin zum Abitur auf Grundlage der Montessori-Pädagogik zu bieten. Deshalb hat der Verein gemeinsam mit anderen Montessori Vereinen die Montessori Fachoberschule, kurz MOS, in München gegründet, die im September 2007 eröffnet wurde. Der derzeit amtierende Vorstand hat sich zum Ziel gesetzt eine Organisationsstruktur zu finden, die den heutigen Anforderungen entspricht und somit die Zukunft des Vereins, der heute 400 Mitglieder hat, und die Existenz seiner Einrichtungen zu sichern. Zur Lösung der fi nanziellen Problematik ist es notwendig neue Finanzierungsquellen zu erschließen. Eine strukturelle Veränderung soll zu mehr Kontinuität und weniger Abhängigkeit von Einzelpersonen führen und die Haftung des Vorstands begrenzen. Die wichtigste Anforderung dabei ist, dass der Charakter des  heutigen Vereins als Elterninitiative erhalten bleiben muss. Um diese Ziele zu erreichen, waren rechtliche Umstrukturierungen notwendig. Die Mitglieder sind die tragende Basis des Vereins. Sie wählen nun eine GmbH zum Vorstand und einen Aufsichtsrat, der mit sieben Vereinsmitgliedern besetzt ist, als Steuerungs- und Kontrollorgan. Gleichzeitig ist der Verein Hauptgesellschafter dieser „Vorstands GmbH“. Der  Aufsichtsrat bestimmt die strategische Ausrichtung im Rahmen der Satzung und der Vorgaben durch die Mitgliederversammlung, er kontrolliert und ist oberstes Aufsichtsorgan. Die „Vorstands GmbH“ übernimmt die Außenhaftung und hat umfangreiche Informations- und Berichtspflichten gegenüber dem Aufsichtsrat und dem Verein mit seinen Mitgliedern. Aufgabe der GmbH-Geschäftsführung ist die Verwaltung und das operative Tagesgeschäft des Vereins und seiner Einrichtungen.

Als zweite große Herausforderung wird die Erschließung neuer Finanzierungsquellen gesehen. Auch hier wurden bereits einige Ideen entwickelt. Konkret wurde über die Aufnahme einer gewerblichen Tätigkeit nachgedacht wie z.B. Buchhandel, Fairer Handel, Vermarktung von Werbeflächen auf Schülerbussen. Eine wichtige Bedingung hierfür ist, dass die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht gefährdet wird und die Tätigkeit sollte in Beziehung zu unserem eigentlichen Tätigkeitsfeld „Schule – Erziehung – Bildung“ stehen oder es

ergänzen. Wirtschaftlich sinnvoll sind solche Aktivitäten vor allem dann, wenn dabei auf vorhandene Ressourcen des Vereins, z.B. Elternarbeit zurückgegriffen werden kann.

 

Entwicklung vom „Nebenzimmer Verein“ zu einem mittelständischen Unternehmen

Schauen wir zurück ins Jahr 1998, da fanden Vorstandssitzungen im Nebenraum der Gaststätte Ferstel-Keller, das heutige Dubliners, statt und die Belege eines Jahres passten in einen Schuhkarton, der kurz vor der Jahresversammlung geleert wurde und dessen Inhalt in ein einfaches Kassenbuch geschrieben wurde.

Heute gibt es eine eigene Kraft für die Buchführung, die jedes Jahr an die zehn dicke Ordner mit Belegen füllt und in ein professionelles Buchhaltungssystem einpflegt. Die Jahresabschlüsse werden von Wirtschaftsprüfern erstellt. Der Verein hat sich zu einem mittelständischen Unternehmen mit über 2 Mio. Euro Umsatz, einer Bilanzsumme von 15 Mio. Euro und rund 60 Mitarbeitern entwickelt.

 

Zukunftsperspektiven

Auch in der Zukunft warten noch einige Herausforderungen auf den Verein. So wird der Container, in welchem das Montessori Children‘s-House untergebracht ist, im Jahr 2011 von seinem Standort weichen müssen und auch die schöne Stadtvilla, in welcher sich das Montessori Kinderhaus befindet, entspricht  nicht den modernen Ansprüchen einer behindertengerechten Betreuung. Und so hegen die Verantwortlichen im Verein schon wieder „zarte Träume“, ob es nicht doch, wie auch in der Schule gelingen könnte, ein schönes Haus für beide Kindergärten auf einem Standort zu realisieren. Dort könnte dann auch noch eine „Integrationskinderkrippengruppe“ eingeplant werden, womit dann das ganze Spektrum von der Kleinkinderbetreuung bis zum Schulabschlussangeboten werden kann. Eine große Hoffnung setzen sie auf die Unterstützung der verantwortlichen Politiker und den Tatendrang der beteiligten Eltern.

 

Schlussbemerkung

Es gibt Propheten im Verein, die meinen, wir sollten uns auch mal um uns selbst kümmern und an die Einrichtung eines „Montessori Altenheims“ denken. Aber falls das nun wirklich so weit kommen sollte, werden wir darüber in der nächsten Festschrift berichten können.

 

aus: Festschrift zum 20-jährigen Vereinsjubiläum 2008

Zu beziehen für € 3,- über die Geschäftsführung.

Aufkirchner Ferien/Ostern: Fit wie ein Turnschuh

Für: sportbegeisterte Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren

Wann: in den Osterferien vom 15. April – 18. April 2019

Mo bis Do von 8.30 Uhr - 16.00 Uhr

Teilnahmegebühr:

100,00 Euro pro Kind
  95,00 Euro für Montessori Kids
    5,00 Euro Geschwisterrabatt

Anmeldungen für das Sportferienprogramm in den Sommerferien sind ebenfalls schon möglich. Bitte gehen Sie dazu zu den Terminen.