Aufkirchner Gespräche am 10. November 2010
Ingeborg Müller-Hohagen zum Thema:
Ganztagsschule – eine Chance für Kinder und Jugendliche ?
„Was wünschen sich Eltern von der Schule, die ihre Tochter oder ihr Sohn besucht?“ Diese Frage stellte Ingeborg Müller-Hohagen, ehemalige Rektorin der Montessori Schule in Wertingen und Referentin des gestrigen Abends, gleich zu Beginn an die Zuhörer. „Sie sollen Kompetenzen erlernen, um im Leben zurecht zu kommen“, so ihre Antwort.
Der junge Mensch soll sich kennenlernen, er soll seine Stärken, aber auch seine Schwächen erkennen. Er soll sich von den Erwachsenen ablösen, er soll selbstständig werden. Als Personalkompetenz bezeichnet dies die Lehrbeauftragte an der Ludwigs-Maximilians-Universität und der Universität Augsburg. Der Mensch kann seine eigenen Lösungswege finden (Methodenkompetenz), gemeinsam mit anderen (Teamkompetenz).
Dies bei Kindern und Jugendlichen realisieren zu können, versucht die Montessori-Pädagogik.
Seit einem Jahr bietet die Montessori Volksschule Aufkirchen eine Nachmittagsbetreuung als offene Ganztagsschule an. Gerade darin sieht Ingeborg Müller-Hohagen eine große Chance für die Schüler. Sie berichtet aus ihrer Zeit als Rektorin in Wertingen, in der sie eine Ganztagsschule aufbaute, dazu u. a. die Schülerfirma „kids@work“ ins Leben rief und gemeinsam mit Eltern und auch Großeltern das „Werkhaus der Generationen“ schuf. Allein durch Angebote von Eltern und Großeltern, von Handwerkern, Künstlern, Lehrern, von Experten in Naturwissenschaft und Technik, von Hobbyspezialisten und Begeisterten wird dort Kindern und Jugendlichen die Vielfalt der Welt eröffnet, damit sie durch echte Erfahrungen ihren ganz eigenen Weg finden.
Ingeborg Müller-Hohagen, seit 2001 Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, erarbeitete im Verlaufe des gestrigen Abends mit den anwesenden Eltern und Lehrern die positiven Aspekte einer Ganztagsschule. Aufgrund der zusätzlichen Zeit am Nachmittag bestehen interessante Angebote, die Betreuung der Schüler kann entwicklungsbezogen und altersgerecht erfolgen, der Blick über den Tellerrand und Begeisterung für Neues wird gefördert. Freundschaften entstehen und können auch gepflegt werden. Die Kinder besuchen gerne ihre Schule. „Sie kommen nachmittags entspannt nach Hause“, so eine Mutter.
Die Referentin, auch Verfasserin des Buches „Montessori - das Richtige für mein Kind?“, stellt abschließend klar fest, wenn die Motivation fehlt, ist auch kein Lernen möglich.
Spezielle Fragen der Eltern, die das Ganztagsangebot der Aufkirchner Schule betrafen, konnten gleich von der Schulleiterin Ulrike Reinhardt und der Geschäftsführerin des Montessori-Vereins Karin Fengler-Mensah beantwortet werden.
von Peter Burghardt
Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 16.11.2010
Markt der Künste am 24.10.2010 ein voller Erfolg
Drei Wochen früher als gewohnt lockte der Markt der Künste heuer wieder zahlreiche Besucher in die Montessori-Schule. Zwar konnten einige langjährige Teilnehmer dadurch in diesem Jahr nicht erscheinen, jedoch zog der frühe Termin auch neue Hobby-KünstlerInnen an, die mit ihren Kreationen den Markt belebten. Vielleicht dank des trüben und unentschlossenen Wetters waren die Stände schon kurz nach Beginn um 10 Uhr gut besucht und bis unmittelbar vor Schluss ließ der Andrang nicht nach.
An 44 Ständen bot sich den Besuchern eine bunte Vielfalt an Selbstgemachtem. Artikel verschiedenster Kunstrichtungen standen zum Verkauf, unter anderem Glasdesign, Filzkunst, Schmuck, Leder, Mosaik, Speckstein, Naturseifen, Skulpturen, Holzkunst und Patchwork.
Klein und Groß freuten sich über die vielen unterhaltsamen Angebote wie Kinder-Schminken, Blüten filzen, Drechseln und die Malwerkstatt. Vor allem das erstmalig angebotene Ponyreiten brachte die Gesichter der Kinder zum Strahlen. Ein Highlight wie jedes Jahr war das Kasperltheater; und einen ganz besonderen Augen- und Ohrenschmaus bot die Performance der Los Machos.
Die liebevoll und mit viel Phantasie dekorierten Tische in der Turnhalle begeisterten und luden zum Verweilen ein, sodass die wenigen Schritte zum üppigen Buffet gerne zurückgelegt wurden. Lediglich die Auswahl unter den vielen leckeren Salaten, Häppchen und Kuchen fiel schwer.
Vielen herzlichen Dank den engagierten HelferInnen, die durch ihre tatkräftige Unterstützung und Spenden für das Buffet zu diesem tollen Erfolg beigetragen haben.
Weitere Bilder und Eindrücke vom Markt der Künste finden Sie im Vereins-Menü unter "Fotogalerie".
Afrikanische Nacht am 15.10.2010
Aufkirchner Kultur-Frühstück am 21. März 2010
Wer am Sonntag, 21. März 2010, morgens um zehn in die Montessori-Schule kam, wurde dort von Kaffeeduft, einem sehr appetitlichen Buffet, Blumen und Kerzenschein empfangen. Im Hintergrund blubberte das Aquarium, die Fische zogen ihre unerschütterlichen Kreise. Brunch alleine ist schön - beim Aufkirchner Kultur-Frühstück kommt es aber noch besser. Gegen elf wechselt das Publikum in die Rotunde...
Die beiden jungen Gitarristen Katharina Wille und Lukas Zettl der Kreismusikschule Erding haben bereits den Regionalwettbewerb Jugend musiziert gewonnen. In Aufkirchen spielten sie ihr Programm für den Landeswettbewerb – und das war wunderschön! Schade, dass es für die Zuhörer kein ausgedrucktes Programm gab, sondern nur die Ankündigung „Gitarrenmusik aus drei Epochen“. Und ein wenig bedauerlich auch, dass das Duo ganz am Rand des Raumes platziert war, weil der Platz in der Mitte bereits vorbereitet war für die mulitmedial begleitete Lesung.
„Lesung“ beschreibt sehr unzureichend, was die Autorinnen Adriana Olivotti und Eva Kirchesch boten. Sie referierten und lasen im Wechsel über ihr gemeinsam geschriebenes Buch, dokumentierten mit kurzen Filmeinlagen und prägnanten Statistiken, was ihnen am Thema Frauen und Macht wichtig ist. Das alles auf sehr unterhaltsame Art und so lebhaft und engagiert, dass das Publikum mitgerissen war. Im Anschluss entspann sich ganz selbstverständlich eine rege Diskussion mit den beiden Autorinnen, die Grenze zwischen eigentlichem Vortrag und Publikumsbeiträgen war fließend. Wie schade, dass nur so wenige Zuhörer gekommen waren! Wer mehr darüber wissen möchte, was die beiden in zahlreichen Interviews über die Lust von Frauen an der Macht, aber auch über ihre Angst davor erfahren haben, kann es nachlesen in: Zur Sache Schätzchen – Frauen und Macht. Wiley Verlag, 19,90 Euro.
von Susanne Thyrauer
"Alltag Wildnis" - ein Inuit-Ehepaar berichtet
Herzlich willkommen im „Bear Country“
… fühlten sich die Zuschauer, die am 12.03.2010 zu dem Dia-Live-Vortrag über Alaska und Kanada von und mit Axel Burgheim gekommen waren. Eine Veranstaltung dieser Art hatte am Freitag Abend an der Montessori-Schule in Aufkirchen Premiere. Axel Burgheim, gebürtiger Hamburger und „Opfer zu vieler Jack London Romane“, wie er selbst sagte, gewährte seinem Publikum humorvolle, aber auch immer wieder kritische Einblicke in seine Wahlheimat Alaska, wo er seit langem mit seiner Ehefrau Vamori, einer in Alaska geborenen Inuit vom Stamm der Yupik, zu Hause ist. Nach der großen Resonanz, die seine Vorträge in den vorangegangenen Tagen bei den Schülerinnen und Schülern an der Montessori-Schule gefunden hatte, erwartete die erwachsenen Zuhörer eine wildromantische Reise durch einen spannenden Lebensraum mit vielen Informationen über die Folgen der globalen Erwärmung, den Rassismus gegenüber den Eingeborenen sowie die kommerzielle Wilderei.
Beeindruckende Bilder aus der Tier- und Pflanzenwelt Alaskas, gestützt mit Anschauungsmaterial wie einer Adlerfeder oder einer echten Bärenkralle, machten den Vortrag zu einem lebendigen und kurzweiligen Erlebnis. Auch die packende Erzählweise Burgheims, gespickt mit vielen persönlichen Anekdoten und humorvollen Schilderungen, gefielen seinem Publikum. Gleichzeitig wurde mit jedem Satz das große Anliegen Axel Burgheims deutlich: er plädiert nachhaltig für den Respekt vor der Natur und den Eingeborenen. In einem Land, in dem die tragischen Auswirkungen der Erderwärmung tagtäglich erfahrbar sind, wie z.B. durch das sichtbare Schmelzen der Gletscher, wird der konsequente Naturschutz zu einem (über-) lebenswichtigen Auftrag. In den Polargebieten bedroht der Klimawandel nicht nur den Lebensraum der Menschen, sondern auch den von Tieren und Pflanzen. So ertrinken z.B. immer mehr Eisbären auf ihrer Suche nach Nahrung, weil sie aufgrund des durch die steigenden Temperaturen aufbrechenden Packeises immer weiter aufs Meer hinaus schwimmen müssen, um die tief im Eis liegenden Schlafkammern der Seerobben zu finden.
In einem kurzen kulturhistorischen Abriss schilderte Axel Burgheim, wie die zu Beginn nomadisch lebenden Inuit über die Beringstraße nach Alaska einwanderten, wie die ersten Europäer Krankheiten (z.B. die Masern) brachten, an denen Millionen von Menschen starben. Die Überlebenden waren häufig krank und geschwächt, sodass die Einwanderer, die später vom Westen her ins Land kamen, sie mit Verachtung betrachteten und sie als „Wilde“ und „faule, dumme Menschen“ bezeichneten. Diese beginnende Diskriminierung der Eingeborenen durch die USA belegte Burgheim exemplarisch am Beispiel der Mutter seiner Frau: Sie wurde bereits mit 8 Jahren in einem viele tausend Kilometer von ihrem Dorf entfernten Internat ihrer eigenen Kultur entfremdet. An den Folgen der systematischen Zerstörung der Inuit-Kultur krankt die Gesellschaft Alaskas bis heute: wirtschaftliche Abhängigkeit und soziale Probleme wie Alkoholmissbrauch gehören seit dem 20. Jahrhundert zur Normalität.
Ausführlich und von beeindruckenden und teilweise schockierenden Bildern untermalt, berichtete Burgheim über die verschiedenen in Alaska lebenden Bärenarten, angefangen vom schwarzen Schwarzbären, über den braunen und zimtfarbenen Schwarzbären, den fast weißen Braunbären bis hin zum eher gräulichen Grizzly. Die Farbe des Fells hänge im Wesentlichen vom Lebensraum, im speziellen von der Nahrung und vom Klima, ab, erklärte er. Scharf verurteilte er die in Alaska per Gesetz erlaubte Jagd auf Bären, insbesondere die blutige, legale und auch illegale, Trophäenjagd als lustvolle Freizeitbeschäftigung. Am Verhalten der Bären in den National Parks wie dem geschützten Denali Park am Fuße des Mount McKinley (in der Sprache der Inuit: Denali, „der Große“, „der Erhabene“) sei deutlich abzulesen, wie der Mensch den Bären verändert hat. Dort, wo das Jagen der Bären verboten sei, verhielten sich die mächtigen Tiere nicht aggressiv und gefährlich.
Während Burgheim die Zuhörer virtuell auf die lange Wartezeit bis zur Ankunft der Lachse mitnahm, stellte er viele weitere einheimische Tierarten wie Biber, Karibus, Elche, Seeadler vor. Die Ankunft der Lachse, die auf ihrer Wanderung rund 3000 km zurücklegen, wird in Alaska volksfestartig gefeiert. Es ist die Zeit, in der in den Geschäften die Schilder „closed, gone fishing“ hängen und sich Menschen wie Tiere am Fluss versammeln um Lachse zu fangen. Der Lachs ist ein „gebendes Wesen“, erklärte Burgheim. Er dient als Nahrungsgrundlage für die verschiedenen Tierarten und ohne ihn gäbe es auch die riesigen Wälder Alaskas nicht, denn etwa 80% ihrer Stickstoffversorgung kommt von den ausgewachsenen Lachsen, die nach dem Ablaichen verendet sind.
Begeistert von der wilden Schönheit des Landes, waren die Zuhörer am Ende des Vortrages sensibilisiert für die brisanten Themen der verschwindenden Artenvielfalt und den Bedrohungen durch den Klimawandel. Und dennoch, so Burgheim, „ferkeln wir mit dieser Erde rum von A-Z“.
Aufkirchner Gespräche: Jugendliche & Alkohol - was kann ich tun? Auffälligkeiten früh erkennen
Um das Thema Jugendliche und Alkohol-Missbrauch ging es bei den Aufkirchner Gesprächen am 23.2.2010. Zunächst berichtete Mike Klinger, der bei der PI Dorfen als Jugend- und Rauschgiftsachbearbeiter arbeitet, aus seinem Polizeialltag: In den letzten Jahren ist Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen zum größeren Problem geworden als andere Drogen. Die Tendenz zeigt, dass betroffene Jugendliche immer jünger werden - 20% der 12- bis 17-Jährigen praktizieren exzessives Rauschtrinken - und dass sich der Alkoholkonsum immer schlechter kontrollieren lässt. Wenn an bekannten, öffentlichen Plätzen kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird, weichen die Jugendlichen auf private Räume aus. Trotz Jugendschutzgesetz ist Alkohol nach wie vor relativ leicht zu beschaffen und offenbar auch billig genug. Bei manchen Eltern fehlt das Problembewusstsein. Sie billigen, dass ihre Kinder trinken und finden nichts dabei. Richtige Exzesse mit Einlieferung ins Krankenhaus etc. führt Klinger in den meisten Fällen darauf zurück, dass die Wirkung von Alkohol unterschätzt wird. Um sich auf einer Party erstmal „warm“ zu trinken, wird sehr schnell viel Schnaps getrunken - und für manchen ist die Party schnell vorüber. Zum Glück kommt es eher selten vor, dass dem gleichen Heranwachsenden zweimal der Magen ausgepumpt werden muss. Leider gibt es allerdings auch Fälle, in denen so regelmäßig getrunken wird, dass nur von Abhängigkeit gesprochen werden kann.
Die Polizei versucht einiges, um das Problem wenigstens einzudämmen. Dazu gehören Kontrollen - die aber ja erst dann wirken, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Als drastischere Maßnahme hatte Klinger einen Film im Gepäck, der an den Dorfener Schulen gezeigt wird. Von jugendlichen Darstellern nachgespielt werden darin Situationen, in denen Alkohol getrunken wird - von Jugendlichen kommentiert, warum der Alkohol in dem Fall so wichtig ist und als Ausweg erscheint. Im Film wie im Leben führt das zu nichts Gutem und es werden Möglichkeiten durchgespielt, wie man die Situation auch ohne Alkohol hätte bestehen können.
Andere Programme zur Prävention stellte Rita Schmidt vor, die im Landratsamt Erding für Suchtprävention zuständig ist. Gemeinsam ist allen Angeboten, dass sie Lebenskompetenzen, sogenannte Life Skills zu vermitteln versuchen. Nach einer Definition der WHO ist lebenskompetent, wer
- sich selbst kennt und mag,
- empathisch ist,
- kritisch und kreativ denkt,
- kommunizieren und Beziehungen führen kann,
- durchdachte Entscheidungen trifft,
- erfolgreich Probleme löst
- und Gefühle und Stress bewältigen kann.
Natürlich spielt hier die Familie eine sehr große Rolle. Suchtprävention an Schulen hat zum Ziel, Lebenskompetenzen zu verstärken, den Einstieg in den Alkoholkonsum (wahlweise anderes Suchtmittel) zu verzögern. Dazu werden z.B. Rollenspiele, Gruppendiskussionen, -arbeit und auch Hausaufgaben eingesetzt. Vermittelt werden Sachinformationen zu Alkohol sowie Standfestigkeitsübungen.
Beispiele für solche Programme, mit denen an Schulen im Landkreis bereits gearbeitet wird, sind PeP, entwickelt und gefördert von der Bertelsmann-Stiftung (www.anschub.de) oder Klasse 2000 (www.klasse2000.de). Beide werden bereits in der Grundschule eingesetzt.
Programme, die für bereits betroffene Jugendliche und/oder Multiplikatoren gedacht sind, heißen MOVE (Motivierende Kurzintervention bei konsumierenden Jugendlichen) oder HALT (Hart am Limit). In Kooperation mit dem Krankenhaus Erding wird versucht, Jugendliche, die wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus gelandet sind, zu Gesprächen mit geschultem Personal vom Landratsamt zu bewegen, um erstens Informationen darüber zu erhalten, wie es zu der Situation kam, und zweitens den Jugendlichen Angebote zu machen, wie sie weiterem Missbrauch selber vorbeugen können. Dafür ist das Einverständnis der Eltern erforderlich - leider scheint aber deren Angst vor dem Jugendamt (laut Frau Schmidt unbegründet, denn alle Gespräche werden anonymisiert ausgewertet) größer zu sein als die Überzeugung, ihren Kindern dadurch helfen zu können.
Informationen zu allen Programmen, zu Möglichkeiten der Teilnahme u.ä. findet man über www.landkreis-erding.de, Suchbegriff: Suchtprävention.
von Susanne Thyrauer





































